Über Peter van Huet – Spezialist für Reitstiefel
Als ich 18-19 Jahre alt war, hatte ich die Gelegenheit, Praktika in zwei besonderen Reitsportgeschäften zu absolvieren: in Köln und in Zürich.
Bei Herrn und Frau Becker – damals Besitzer eines der schönsten Reitsportgeschäfte Europas – lernte ich, was es wirklich bedeutet, Reitstiefel richtig anzumessen. Sie zeigten mir, dass das Vermessen von Stiefeln weit mehr ist als nur das Abnehmen von Maßen. Es ist ein Handwerk.
Das „Lesen eines Beines“
Ein guter Reitstiefel beginnt nicht mit dem Maßband, sondern mit der Beobachtung.
Das sogenannte „Lesen eines Beines“ bedeutet, dass man nicht nur die Silhouette von Fuß und Bein betrachtet, sondern auch:
-
die Form des Fußes
-
den Knöchelbereich
-
die Form der Wade
-
den Verlauf der Wade zum Knie
Ein Beispiel ist das, was wir manchmal als „Ballonwade“ bezeichnen. Der Begriff klingt vielleicht etwas direkt, beschreibt aber eine Wade, die stark ausgeprägt ist und sich schnell zum Knie hin verjüngt.
Wenn der Unterschied zwischen Wade und unterem Kniebereich beispielsweise vier Zentimeter beträgt, hat dies direkten Einfluss auf die Wahl des Stiefelmodells und die Konstruktion des Schafts.
Auch bei sehr schlanken Beinen kann das Gegenteil auftreten: Der stärkste Teil der Wade geht fast ohne Übergang in den Bereich unterhalb des Knies über. Auch dies erfordert eine andere Wahl des Modells.
Die Fußform ist ebenso entscheidend
Neben dem Bein spielt auch die Form des Fußes eine wichtige Rolle.
Bei Füßen mit beispielsweise einem Hallux valgus ist die richtige Leistenform – also die Form, auf der der Stiefel aufgebaut wird – von entscheidender Bedeutung. Auch die Position des Reißverschlusses kann hierbei großen Einfluss auf Komfort und Haltbarkeit haben.
Messen ist wichtig – Erfahrung noch wichtiger
Beim Vermessen werden unter anderem folgende Maße aufgenommen:
Fuß
-
Ballenweite
-
Spann
-
Fersenweite
Bein
-
Wadenumfang an verschiedenen Höhen
Schaftlänge
-
außen
-
hinten
-
innen
Doch allein das Messen reicht nicht aus. Erfahrung, Beobachtung und Beratung entscheiden letztlich darüber, welcher Stiefel wirklich passt.
Häufige Fehler beim Vermessen
Leider sehe ich in der Praxis immer wieder Fehler beim Maßnehmen, zum Beispiel:
-
Messen ohne feste Referenzpunkte
-
nur ein Bein vermessen
-
zu wenig Beachtung der Fußform
Das richtige Vermessen von Reitstiefeln lernt man nicht aus einem Buch. Dafür braucht man viele Jahre Erfahrung.
Zeit für den Reiter
Selbst bei Konfektionsstiefeln nehme ich mir immer die Zeit, Maße zu nehmen.
In großen Reitsportgeschäften ist das oft schwierig, wenn mehrere Kunden warten. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einem normalen Reitsportgeschäft und einem Reitstiefelspezialisten.
Deshalb arbeite ich nur nach Terminvereinbarung und nehme mir ausreichend Zeit für jeden Kunden.